10) Kreuzblütler – Pflanzenfamilie mit Gesundheitspotential

Der Name Kreuzblütler steht für die große Pflanzenfamilie der Brassicaceae mit circa 375 Gattungen und 3.200 Arten. Darunter finden sich viele bekannte Nahrungsmittel wie Brokkoli, Blumenkohl, sämtliche anderen Kohlarten, aber auch Rettich, Radieschen, Meerrettich, Wasabi, Kresse—auch Brunnenkresse und Kapuzinerkresse, Rucola, Raps und Senf. Cruciferae, der alte Name der Kreuzblütler, steht für „kreuztragend“ und beschreibt die typisch kreuzförmig angeordneten Blütenblätter dieser Pflanzenfamilie. Besonders interessant an dieser Pflanzenfamilie sind ihre sekundären Pflanzenstoffe. 

Nahrungsmittel der Kreuzblütlerfamilie

Sekundäre Pflanzenstoffe

Sekundäre Pflanzenstoffe sind chemische Verbindungen die ausschließlich in Pflanzen vorkommen und unterschiedliche Funktionen besitzen. Zum Beispiel schützen die Glukosinolate der Kreuzblütler die Pflanze vor Fraßfeinden. Carotinoide sind für die gelbe bis rötliche Farbe bei Obst und Gemüse verantwortlich. Flavonoide aus Zitrusfrüchten sorgen für einen bitteren Geschmack wie bei Grapefruit und ätherische Öle aus Gewürzen und Kräutern für Aroma. Sekundäre Pflanzenstoffe sind für die Pflanze nicht lebensnotwendig und grenzen sich dadurch von den primären Pflanzenstoffen ab, die aus Kohlenhydraten, Fetten und Eiweißen bestehen. Man kennt mehr als 25.000 sekundäre Pflanzenstoffe, von denen viele eine gesundheitsfördernde Wirkung beim Menschen entfalten. 

Glukosinolate der Kreuzblütler

Die bekanntesten sekundären Pflanzenstoffe der Kreuzblütler sind die Glukosinolate, von denen mehr als 200 verschiedene bekannt sind. Sie schützen die Pflanze vor Schädlingen und dienen als natürliche Pestizide. Bei einigen der aktivierten Spaltprodukte wurden mikrobiotische, entzündungshemmende, antioxidative und sogar krebshemmende Eigenschaften gefunden. Am besten untersucht ist das Glukoraphanin und sein aktiver Stoff Sulforaphan und das Glukobrassicin mit seinem aktiven Stoff Indol-3-Carbinol.

Senfölbombe der Kreuzblütler

Die Glukosinolate werden als inaktive Vorstufen gelagert, damit die Pflanze nicht selbst beschädigt wird. Sie werden erst aktiviert, wenn sie mit dem Enzym Myrosinase in Kontakt kommen, das in einem getrennten Kompartiment der Pflanzenzelle aufbewahrt wird. Dazu muss die Pflanzenzelle beschädigt werden z.B. durch eine Raupe, eine Laus, Pilz-, Bakterien oder Virusbefall. Auch das Zerschneiden bei der Zubereitung von Kreuzblütlergemüse, Zerbeißen, Kauen oder selbst die Darmbakterien setzen die aktiven Wirkstoffe frei. Dieser Mechanismus wird mit dem Zünden einer Bombe verglichen, da Zünder und Bombe zusammen kommen müssen, damit die scharf oder bitter schmeckenden aktiven Abbauprodukte entstehen.

Die Myrosinase spaltet die Glukosegruppe vom Glukosinolat (hier: Glukoraphan) unter Wasseranlagerung ab. Das verbleibende Molekül wird dann schnell in ein Isothiocyanat (hier: Sulforaphan), ein Nitril oder Thiozyanat umgewandelt. Dies sind die aktiven Substanzen, die man als Senföle bezeichnet. 


Demnächst geht’s weiter mit: Senfölglykoside und Sulforaphan

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