Cranberries nicht nur bei Blasenentzündung

Cranberries wird eine Schutzwirkung vor Bakterien, Viren und Pilzen, Krebs, Herz-Kreislauferkrankungen, Harnwegsinfekten, Karies und sogar der Cholera zugesprochen.   

Frische Cranberries habe ich bei REWE gefunden

Die Cranberry, auch bekannt als Kranbeere, gehört zur Familie der Heidekrautgewächse (Ericacea) und wird vor allem in Nordamerika und Kanada angebaut. Die Cranberry ist aufgrund ihrer leuchtend roten Farbe und ihres süß-säuerlichen Geschmacks ein beliebtes Nahrungsmittel, das meist in Form von Saft oder als getrocknete Beeren erhältlich ist. Aufgrund vieler gesundheitsfördernder Inhaltsstoffe sind Extrakte der Beere auch als Kapseln erhältlich. Verwandte Arten mit ähnlichen Inhaltsstoffen sind die Heidelbeere und Preiselbeere.

Cranberries enthalten Proanthocyanidin 

Heidelbereren kommen aus der gleichen Pflanzenfamilie wie die Cranberry, d.h., die Inhaltsstoffe sind ähnlich. Heidelbeeren haben den Vorteil, dass sie bei uns leicht als frische Beeren erhältlich sind. Allerdings habe ich den Eindruck, dass bei Standard-Heidelbeeren die bitter-herb schmeckenden Proanthocyanidine weitestgehend heraus gezüchtet wurden. 

Cranberries sind reich an Vitamin C und anderen Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und Ballaststoffen. Besonders ihre farbigen Anthocyane, die für die rote Farbe verantwortlich sind, ihre einzigartigen Proanthocyanidine und die entzündungshemmende Salicinsäure haben die Aufmerksamkeit der Forschung auf sich gezogen.1  Proanthocyanidine sind pflanzliche Gerbstoffe, die unter dem Überbegriff Tannine zusammengefasst werden. Tannine kommen nicht nur in Cranberries vor, sondern in vielen Pflanzen. Sowohl Cranberries, als auch ein guter Rotwein oder grüner Tee enthalten Gerbsäuren mit adstringierender Wirkung, was sich als pelziges Gefühl im Mund bemerkbar macht. Je pelziger, desto mehr  Gerbsäuren sind enthalten.  Man unterscheidet die Hydrolisierbaren Gerbstoffe (Gallotannine z.B. Ellagsäure) und die Kondensierten Gerbstoffe (Proanthocyanidine). Während beispielsweise der Rhabarber für seine Gallotannine und  Beeren im Allgemeinen für ihre Ellagitannine bekannt sind, enthalten Cranberries, aber auch Heidelbeeren und Preiselbeeren, sowie Nüsse, Zimt und Traubenkerne, vor allem die Proanthocyanidine. Die gesundheitliche Wirkung der Cranberry bei Harnwegsinfekten wird beispielsweise vor allem auf den Gehalt an diesen Proanthocyanidinen zurückgeführt. Diese bewirken einen Anti-Adhäsionseffekt, der die Anhaftung einer speziellen E. coli Bakterienart an Epithelzellen der Harnwege verhindert. Dagegen bei den chemisch verschiedenen Proanthocyanidinen des Grüntee oder der Schokolade wurde eine solche Anti-Adhäsionswirkung nicht beobachtet. Das Proanthocyanidin aus Cranberries scheint also eine einzigartige Wirkung zu haben. 

Cranberries fördern die Gesundheit

Die Cranberry-Pflanze produziert sekundäre Pflanzenstoffe um sich vor Frassfeinden und Fäulnis zu schützen. Diese bioaktiven Stoffe der Cranberry sind beim Mensch gesundheitsfördernd.2  Bereits von Ureinwohnern Amerikas wurde Cranberrysaft aufgrund seiner entzündungshemmenden Wirkung zum Auswaschen von Wunden verwendet. Seefahrer schätzten Cranberries wegen ihres Vitamin C Gehalts und beugten damit bei langen Seereisen dem Skorbut vor. 

Mittlerweile gibt es fundierte Anhaltspunkte für die präventive Wirkung von Cranberry-Inhaltsstoffen gegen verschiedene bakterielle Pathogene, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Entzündungen, während Neuroprotektion und antivirale Aktivitäten neuere Überlegungen anstellen. Eine kürzlich im November 2018 erschienene Publikation weißt sogar auf die Hemmung von Signalwegen des Cholera Erregers Vibrio cholerae durch Cranberry-Extrakte hin.3  Insofern könnte der prophylaktische Verzehr von Cranberries bei der Reise in ein Cholera-Epidemiegebiet den Ausbruch der Cholera nach Infektion verhindern oder den Verlauf abschwächen.

Ebenso wird eine krebspräventive Wirkung der Cranberry diskutiert, da Inhaltsstoffe der Beere zelluläre Mechanismen induzieren, die ein Krebswachstum hemmen—allerdings wurde das bisher nur in vorklinischen Studien und nicht am Patienten selbst gezeigt.4

Desgleichen gibt es ermutigende, aber begrenzte Beweise für eine Kardioprotektion durch Cranberries, die durch die antioxidative Wirkung der Cranberrystoffe auf Blutfettwerte vermittelt werden könnte.

Interessant sind auch Untersuchungen von Cranberryextrakten und ihrer Wirkung auf die Zahngesundheit. Es fand sich eine kariesvorbeugende Wirkung durch Reduzierung des Zahnbelages und Hemmung der Anhaftung von Kariesbaktieren an Zähne und Mundschleimhaut.8, 9

Cranberries können Harnwegsinfekte und Blasenentzündung vorbeugen

Besondere Aufmerksamkeit liegt auf einer vorbeugenden Wirkung der Cranberriestoffe gegen Harnwegsinfekte, wobei die Studienlage der vergangenen Jahre nicht ganz einheitlich ist. Eine Erklärung für die teilweise widersprüchlichen, gemischten Ergebnisse klinischer Studien mit Cranberry-Produkten könnte in der Vielzahl der verwendeten, verschiedenen Cranberry-Produkte mit unterschiedlicher Bioaktivität, Konzentration und Häufigkeit der Einnahme liegen. Auch wurde kein einheitlicher Biomarker zur Kontrolle der Einnahme bei den diversen Studien verwendet. Laufende und aktuelle Studien untersuchen derzeit die Konzentrationen von Cranberryextrakten, die notwendig für eine Wirksamkeit sind. 

Definitive Beweise, die zeigen, dass Cranberries das Wiederauftreten von Harnwegsinfektionen tatsächlich zuverlässig verringern können, sind wichtig, da eine ernährungsphysiologische Behandlung von Blasenentzündungen den Einsatz von Antibiotika und die daraus resultierende Resistenzentwicklung verringern könnte. 

Cranberries enthalten Salicinsäure und wirken ähnlich wie Aspirin

Der Gehalt der Cranberry an entzündungshemmender Salicinsäure wird oft außer Acht gelassen. Aber eine Untersuchung von 2005 weißt darauf hin, dass tatsächlich auch die Salicinsäure vor Harnwegsinfekten schützen kann und sehr wahrscheinlich mit dem Proanthocyanidin der Cranberry zusammen wirkt.5 Die Salicinsäure wirkt ähnlich wie die Acetylsalicinsäure des Aspirins, das 1897 von Felix Hofmann bei Bayer basierend auf der Salicinsäure der Weidenrinde synthetisiert wurde.6 So wurde in verschiedenen Studien eine krebsvorbeugende und krebstherapeutische Wirkung des Aspirins bereits nachgewiesen.7  Nach dem Genuss von Cranberries fand sich in der Tat auch ein erhöhter Gehalt an Salicinsäure in Urin und Plasma.5 Zugleich konnte die Salicylsäure der Cranberry den Harn ansäuern. Daher ist es äußerst wahrscheinlich, dass Cranberries durch den Dreifachmechanismus von Proanthocyanidin, Salicinsäure und Ansäuerung des Harns  der Vermehrung von Keimen bei einem Harnwegsinfekt entgegen wirkt.

Haben Cranberries Nebenwirkungen?

Über Nebenwirkungen von Cranberries  ist nicht viel bekannt, außer dass der saure, herbe Saft nicht von allen Menschen gut vertragen wird und Magenprobleme verursachen kann. Es gilt auch hier das Paracelsus Zitat: „Dosis facit venenum“, oder „Die Dosis macht das Gift“. Zusammenfassend möchte ich bemerken, dass Beerenobst insgesamt und nicht nur die Cranberry, eine reichhaltige Quelle phenolischer Bioaktivstoffe darstellt. Somit ist das Zusammenspiel verschiedener bioaktiver Pflanzenstoffe im Rahmen einer ausgewogenen, pflanzenbasierten Ernährung für eine effektive gesundheitliche Wirkung wichtig.

Vergleich von Cranberry Produkten

Da frische Cranberries schwer auf dem Markt erhältlich sind, werden die gesunden Cranberrystoffe am besten und preiswertesten über die getrockneten Beeren aufgenommen. Cranberries schmecken gut in Porrigde, Salat, Gemüse, Soßen und Desserts und geben einen säuerlich-süßen Geschmack. Getrocknete Cranberries in kontrollierter Qualität gibt es von der Firma Seeberger beispielsweise in REWE-Märkten. Bei einem Vergleich der Cranberry-Angebote ist mir das Produkt der Firma Topfruits positiv aufgefallen: 1 kg getrocknete Cranberries ungeschwefelt, natürlich gesüßt mit Ananassaft, gibt es für 15 € bei Topfruits.de.  Wer es ungezuckert mag, also nur mit dem natürlichen Fruchtzuckergehalt, wird vielleicht bei einem der in der Tabelle vorgestellten Cranberrykonzentraten fündig. Es gibt Cranberrykonzentrate in Kapseln aus Rindergelatine, beispielsweise von Pure Healthland,  dm, und Avitale, und in veganen Cellulosekapseln von manako, sowie als vegane Presslinge von Vitascout. Die Konzentrationen und Preise unterscheiden sich erheblich und der Grund für die relativ großen Preisdifferenzen sind nicht immer ersichtlich. Direkt getested habe ich die Kapseln von Pure Healthland und dm – ich habe die Kapseln auch aufgeschnitten und den Geschmack des darin enthaltenen gelartigen Konzentrate probiert. Der Pure Healthland hat ein pelzigeres Gefühl im Mund verursacht als der dm Extrakt. Daraus schließe ich, dass die Pure Healthland Kapseln eine höhere Konzentration der Gerbsäure Proanthocyanitidin enthalten. Dies würde den deutlich höheren Preis  gerechtfertigen. Die Konzentrationsangaben waren teilweise pro Tagesdosis, also für 2 Kapseln angegeben, was ich als Versuch der Kundentäuschung betrachte, da dadurch verschiedene Produkte nur schwer verglichen werden können. Ich habe mir jedoch die Mühe gemacht und die Konzentrationsangaben auf eine Kapsel umgerechnet, siehe Tabelle unten. Kritisch zu sehen ist die Verwendung von Magnesiumstearat als Trennmittel in den Produkten von AvitaleVitascout und manako. Magnesiumstearat steht im Verdacht gesundheitsschädliche Nebenwirkungen auszulösen. Es könnte das Immunsystem schwächen, Allergien hervorrufen und die Aufnahme von wichtigen Nähr- und Vitalstoffen erschweren. Eine gute Einschätzung zu Magnesiumstearat als Trennmittel gibt Christopher Flaig auf der Seite Sports & Health. Wer also ein günstiges Cranberryprodukt ohne Magnesiumstearat möchte und kein Vegetarier ist, könnte bei dm fündig werden. Vegetarier und Veganer werden bei Vitascout und manako fündig, müssen aber mit dem enthaltenen Magnesiumstearat leben und, mangels eindeutiger Angaben ist es unklar, wer die höhere Konzentration an Proanthocyanitin bietet. Pure Healthland hat den konzentriertesten Extrakt und der Geschmackstest weist auf einen hohen Proanthocyanitin-Gehalt hin. Avitale  ist im Vergleich zum dm Produkt mit gleicher Konzentration preislich nicht konkurrenzfähig und enthält zudem Magnesiumstearat. 

na: nicht angegeben; Grün:sehr gut!; Rot: ausbaufähig; dm hat auf Anfrage Details zur Konzentration mitgeteilt, die nun in die Tabelle eingefügt sind – die Angaben stehen noch nicht auf der Packung oder Beipackzettel der dm Cranberry Kapseln.


Persönliche Empfehlung für ein Cranberry-Produkt

Meine persönliche Empfehlung ist das dm Produkt in einer Dosierung von 2×2 Kapseln täglich für den Nicht-Vegetarier und das Vitascout Produkt mit 2×2 Kapseln täglich für den Vegetarier/Veganer.

Referenzen

1.         Pappas E, Schaich KM. Phytochemicals of cranberries and cranberry products: characterization, potential health effects, and processing stability. Crit Rev Food Sci Nutr 2009;49:741-81.

2.         Blumberg JB, Camesano TA, Cassidy A, Kris-Etherton P, Howell A, Manach C, Ostertag LM, Sies H, Skulas-Ray A, Vita JA. Cranberries and their bioactive constituents in human health. Adv Nutr 2013;4:618-32.

3.         Pederson DB, Dong Y, Blue LB, Smith SV, Cao M. Water-soluble cranberry extract inhibits Vibrio cholerae biofilm formation possibly through modulating the second messenger 3′, 5′ – Cyclic diguanylate level. PLoS One 2018;13:e0207056.

4.         Weh KM, Clarke J, Kresty LA. Cranberries and Cancer: An Update of Preclinical Studies Evaluating the Cancer Inhibitory Potential of Cranberry and Cranberry Derived Constituents. Antioxidants (Basel) 2016;5.

5.         Duthie GG, Kyle JA, Jenkinson AM, Duthie SJ, Baxter GJ, Paterson JR. Increased salicylate concentrations in urine of human volunteers after consumption of cranberry juice. J Agric Food Chem 2005;53:2897-900.

6.         Lafont O. [From the willow to aspirin]. Rev Hist Pharm (Paris) 2007;55:209-16.

7.         Thun MJ, Jacobs EJ, Patrono C. The role of aspirin in cancer prevention. Nat Rev Clin Oncol 2012;9:259-67.

8.         Steinberg D, Feldman M, Ofek I, Weiss EI. Effect of a high-molecular-weight component of cranberry on constituents of dental biofilm. J Antimicrob Chemother 2004;54:86-9.

9.         Koo H, Nino de Guzman P, Schobel BD, Vacca Smith AV, Bowen WH. Influence of cranberry juice on glucan-mediated processes involved in Streptococcus mutans biofilm development. Caries Res 2006;40:20-7.B

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