1) Vorwort – Ernährung und Krebs

Fast täglich berichten Presse, Funk und Fernsehen über einen Zusammenhang zwischen Ernährung und Krebs. Oft werden diverse „Krebsdiäten“ vorgeschlagen, welche den Krebs heilen oder davor schützen sollen. Nach heutigen Erkenntnissen gibt es jedoch keine spezielle Diät, mit der sich eine Krebserkrankung gezielt heilen ließe. Es gibt allerdings Hinweise darauf, dass bestimmte Ernährungsformen das Krebsrisiko verringern und das Überleben von Erkrankten verlängern könnten. Führende Organisationen wie das Amerikanische Institut für Krebsforschung (AICR) oder die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfehlen unter anderem den Verzehr von überwiegend stärkearmen Lebensmitteln und eine Reduktion von rotem Fleisch und verarbeitetem Fleisch.

Die schlechte Nachricht zuerst: Die WHO und das AICR stufen rotes Fleisch und verarbeitetes Fleisch als stark krebserregend ein (privates Foto)

Gemüse der Kreuzblütlerfamilie

Oft wird eine überwiegend pflanzliche Ernährung vorgeschlagen. Ein besonderes Augenmerk liegt hierbei auf Gemüsen der  Kreuzblütlerfamilie mit so bekannten Sorten wie Brokkoli und Blumenkohl. Diese sind stärkearm, ballaststoffreich und enthalten bioaktive Pflanzenstoffe, sowie wichtige Mineralien und Vitamine. Ein häufiger Verzehr von Kohl steht im Zusammenhang mit einem reduzierten Krebsrisiko und einem weniger progressiven Tumorwachstum. Das zeigen Bevölkerungsstudien, in denen Ernährungsgewohnheiten größerer Populationen auf die Zahl von Krebserkrankungen bezogen wurden. Die hohe Aussagekraft epidemiologischer Daten wird durch zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen gestärkt. Brokkoli, Blumenkohl, aber auch sämtliche anderen Kohlarten, sowie Kresse, Rucola, Radieschen, Rettich, Meerrettich, Senf und Raps sind allesamt Kreuzblütler. Sie finden sich beim Gemüsehändler und es ist eine der leichtesten Aufgaben täglich ein Kreuzblütlergemüse auf den Speiseplan zu setzen.

Auswahl an Gemüsen der Kreuzblütlerfamilie (privates Foto)

Kreuzblütler enthalten Glukosinolate

Glukosinolate sind sekundäre Pflanzenstoffe, von denen inzwischen mehr als 130 Varietäten bekannt sind. Die Zusammensetzung unterscheidet sich  je nach Gemüse. Glukosinolate werden von der Pflanze zur Schädlingsabwehr synthetisiert und sie schmecken bitter, scharf oder würzig und vertreiben dadurch Fraßfeinde, aber auch Bakterien, Viren und Pilze. Sogar beim Menschen zeigen sie Wirkung, weshalb sie in der Naturheilkunde und Volksmedizin als natürliche Antibiotika eingesetzt werden. Aber auch gegen Entzündung, Rheuma, Magen-Darm-Beschwerden und gegen Krebs sollen sie helfen.

Sulforaphan – ein Senföl das vor allem in Brokkoli und Blumenkohl vorkommt

Sulforaphan ist das aktive Senföl, das aus dem inaktiven Glukosinolat Glukoraphan aus Brokkoli und Blumenkohl entsteht. Sulforaphan ist von allen Glukosinolatprodukten bisher am besten untersucht. Sulforaphan wird wegen seines scharfen Geschmacks als Senföl bezeichnet. Sulforaphan wird erst nach Verletzung der Pflanzenzellen hergestellt, z.B. beim Zerkleinern durch Kauen oder Schneiden – dabei wird nämlich das Enzym Myrosinase frei, die das Glukoraphan unter Wasseranlagerung in Sulforaphan aufspaltet. Epidemiologische Studien zeigen, dass ein häufiger Verzehr von Brokkoli und Blumenkohl das Risiko der Entstehung und der Progression des Prostatakarzinoms signifikant hemmt und auch der Entstehung von Bauchspeicheldrüsenkrebs entgegen wirken kann. In Laborversuchen und Untersuchungen an Mäusen konnte Sulforaphan die Entstehung  und das Wachstum verschiedener Tumorarten wie Bauchspeicheldrüsenkrebs hemmen.

Sulforaphan gegen Tumorstammzellen

Ganz besonders interessant sind Forschungsergebnisse die zeigen, dass Sulforaphan die hoch aggressiven Tumorstammzellen angreift und dadurch wieder empfänglich für die körpereigene Krebsabwehr oder eine Chemotherapie macht. Dies konnten Prof. Ingrid Herr und ihr Team am Universitätsklinikum Heidelberg erstmalig im Jahre 2009 für das Pankreaskarzinom zeigen. Inzwischen wurden diese Daten weltweit an vielen anderen Tumorarten bestätigt. Die therapeutische Beseitigung von Tumorstammzellen ist von enormer Bedeutung, da diese Progenitorzellen als Wurzel des Tumorwachstums angesehen werden. Sie halten den Tumor am wachsen, indem sie ständig für Nachschub an neuen Krebszellen sorgen. Selbst wenn die ursprüngliche Behandlung einer Krebserkrankung mit Operation, Chemo- oder Radiotherapie erfolgreich war, kann eine einzige überlebende Tumorstammzelle für ein erneutes Wachstum einer Krebsgeschwulst sorgen. Das Fatale ist, dass Tumorstammzellen in einem Art Dauerschlaf viele Jahre verharren können, bis sie irgendwann erwachen – selbst wenn der Patient lange Zeit schon als geheilt galt. Die Wissenschaft untersucht derzeit Mechanismen, mit denen sich Tumorstammzellen abschalten und anschalten oder auch komplett vernichten lassen.

Wirkstoffe gegen Tumorstammzellen in vielen Obst- und Gemüsesorten

Nicht nur Kohl, sondern viele weitere Obst- und Gemüsegarten enthalten bioaktive Stoffe gegen Tumorstammzellen (privates Foto)

Mittlerweile hat man in weiteren Obst- und Gemüsesorten bioaktive Stoffe gefunden, die gegen Tumorstammzellen gerichtet sind. Ein Schlüsselfaktor dabei ist die anti-entzündliche Wirkung, welche viele bioaktiven Pflanzenstoffe inne haben. Daher ist eine pflanzenbasierte Ernährung gleichzeitig als entzündungshemmende Ernährungsform zu betrachten. Entzündung ist die Wiege vieler chronischer Erkrankungen, und dient Tumorzellen als Nährboden. Leider bekommen Krebspatienten von ihrem Arzt immer noch häufig zu hören „Sie können alles essen“. Oder die Ernährungsempfehlungen richten sich alleine nach Verträglichkeit, z.B. bei Patienten mit einem malignen Tumor im Magen-Darm-Trakt, was meist mit einer eingeschränkten Verdauung einhergeht. Es fehlen speziell ausgebildete Ernährungsberater(innen) welche bei ihren Ernährungsempfehlungen beides berücksichtigen: Verträglichkeit UND anti-entzündlich wirkende sekundäre Pflanzenstoffe.. 

Ernährungsempfehlungen für Krebspatienten mit neuesten Daten der Krebsforschung kombiniert

Dieser Blog stellt einen Versuch dar herkömmliche Ernährungsempfehlungen mit neuesten Ergebnissen der Krebsforschung zu kombinieren, zeigt aber auch weitere Wege zur Prävention und begleitende Maßnahmen.  Die Empfehlungen lassen sich auf ein breites Spektrum von Erkrankungen anwenden, die mit chronischer Entzündung einhergehen und haben nach gängiger Lehrmeinung Anti-Aging Effekte. Einen Schwerpunkt wird das gesunde Kreuzblütlergemüse bilden, das schmackhaft in die tägliche Ernährung eingebracht werden kann. Eingehen möchte ich jedoch auch auf die besondere Situation bei einer Fehlfunktion der Bauchspeicheldrüse, z.B. wenn eine chronische Entzündung oder ein Karzinom dieser Drüse vorliegt. Dann ist die Verdauung massiv gestört und viele Patienten haben große Probleme überhaupt Kalorien zu sich zu nehmen. Die vorgesehenen wissenschaftlichen Informationen und die daraus abgeleiteten Ernährungsempfehlungen sind jedoch nicht nur für Bauchspeicheldrüsenkrebes, sondern für alle Tumorerkrankungen relevant.  Ich wünsche viel Spaß bei der Lektüre der kommenden Beiträge und einen Guten Appetit beim Testen der Rezepte!


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