VITAL-Studie: Vitamin D zu niedrig angesetzt – anti-Krebs Effekte in Subgruppen

Nach heute publizierten Ergebnissen der VITAL Studie sollen Vitamin D Supplemente nicht vor Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen. Auch Omega-3-Fettsäuren zeigten keinen Effekt [1]. Jedoch zeigten sich in Subgruppen sehr wohl statistisch signifikante Effekte vor allem bei Krebs. Anbei eine kurze Zusammenfassung der Studie:

Seit Jahren wird die Einnahme von Vitamin D Tabletten empfohlen, da ein weltweiter, epidemischer Mangel an diesem Sonnenhormon festgestellt wurde. Die Menschen kommen immer weniger in die Sonne, so dass der Körper zu wenig Vitamin D bildet. Laut Hunderten von Studien wird das fehlende Vitamin D nicht nur für Rachitis verantwortlich gemacht, sondern auch für Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems, der Immunabwehr, der Lunge und Gehirnfunktion und sogar für Krebs [2].

Heute wurden Ergebnisse einer großen Vitamin D Bevölkerungsstudie im New England Journal of Medicine veröffentlicht, das international von Ärzten weit gelesen und beachtet wird. 

Die Studienfrage war, ob Vitamin D3 (Cholecalciferol) und Omega-3 Pillen einen Einfluss auf das Auftreten von Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben.

Die Studie wurde landesweit in US-Amerika durchgeführt, unter Leitung der Harvard Medical School in Boston.

Teilgenommen haben 25.871 Probanden, die zu Studienbeginn gesund waren. Männer mussten mindestens 50 Jahre alt sein und Frauen mindestens 55 Jahre, um in die Studie eingeschlossen zu werden. Die Probanden wurden nach dem Zufallsprinzip auf vier Gruppen aufgeteilt:

1. Gruppe erhielt 2.000 I.E. Vitamin D plus 1 g Omega-3 aus Fischöl

2. Gruppe erhielt 2.000 I.E. Vitamin D plus Placebo

3. Gruppe 1 g Omega-3 aus Fischöl plus Placebo

4. Gruppe erhielt nur Placebo

Ergebnisse

Nach 5,3 Jahren Laufzeit wurde ausgewertet und die Daten wurden in zwei Artikeln im NEJM publiziert, ein Artikel beschreibt die Vitamin D Ergebnisse [1], der andere die Omega-3 Daten [3]. Ich berichte hier über die Vitamin D-Ergebnisse. 

Wurden alle Gruppen ungefiltert über einen Kamm geschert, hatten weder Vitamin D noch Omega-3 Fettsäuren einen statistisch aussagekräftigen Effekt auf Krebsrisiko, Herzinfarkts- und Schlaganfallsrisiko oder Sterberate. Aber die Ergebnisse bei Subgruppen sprechen sehr wohl für Vorteile einer Vitamin D-Supplementation (Tabelle). 

Hazard Ratio: statistischer Fachbegriff, der die Wahrscheinlichkeit bezeichnet, mit der ein bestimmtes Ereignis innerhalb eines definierten Zeitraums auftritt.
CI: Confidence Interval: statistischer Fachbegriff, der die Präzision der Lageschätzung eines Parameters angibt, zum Beispiel eines Mittelwerts. Ein häufig verwendetes CI ist 95%, so dass in diesem Fall mindestens 95% aller berechneten Daten den angenommenen wahren Wert beinhalten.
n:Anzahl

-> Beispielsweise gab es rund 1/4 weniger Krebstote in der Vitamin D Gruppe, wenn Krebsfälle, Herzkreislauferkrankungen oder Todesfälle der ersten zwei Jahre seit Studienbeginn herausgerechnet wurden—diese Vorgehensweise erscheint gerechtfertigt, da  die Vitamin D Supplementation während der ersten zwei Jahre noch keine Wirkung gezeigt haben könnte. 

-> auch bei Teilnehmern mit schwarzer Hautfarbe bekam rund ein Viertel der Vitamin-D Gruppe weniger Krebs. Dies könnte damit zusammenhängen, dass wegen der schwarzen Hautfarbe von Natur aus weniger Sonne auf die Haut kommt und entsprechend weniger Vitamin D gebildet wird, was aber nicht weiter schlimm ist, da diese Bevölkerungsgruppe wegen einer genetischen Prägung auch weniger Vitamin D für die Knochengesundheit benötigt,

-> Ebenso waren rund ein Viertel weniger Krebsfälle bei normalgewichtigen Personen mit einem BMI <25 zu verzeichnen.

-> Auffallend ist auch, dass die Vitamin D Supplementation bei fast allen Gruppen leichte positive Effekte zeigte, wenngleich in den meisten Fällen ohne statistische Signifikanz. 

Zusammengefasst finde ich den Titel der VITAL-Studie irreführend, da die Daten, zusammen mit positiven Daten früherer Studien, durchaus vielversprechend sind. Hinsichtlich der größeren Effekte bei Dunkelhäutigen und Normalgewichtigen könnte es sein, dass die Vitamin D Menge bei diesen Subgruppen aufgrund einer genetischen Veranlagung, bzw. geringeren Fettdepots, bereits ausreichend für die Senkung des Krebsrisikos war. Dagegen könnten höhere Vitamin D Dosen bei Übergewichtigen notwendig sein, um die Speicherung des fettlöslichen Vitamin D im Fettgewebe zu kompensieren. Weitere Vitamin D Studien mit höheren Dosen und eine längere Beobachtungszeit als die hier untersuchten 5,3 Jahre sind für aussagekräftigere Daten notwendig.

Warum Du doch Fischöl und Vitamin D Supplemente nehmen solltest

…..wird von Ernährungsexperte Professor Worm in einem interessanten Interview auf FITBOOK erklärt. Dort erzählt er, was er von den beiden Harvard-Studien hält. Bei Vitamin D gibt er zu bedenken, dass die Vitamin D Spiegel der Amerikaner von Anfang an bereits 30 ng/ml betrugen, also fast schon ideale Werte – davon kann die Mehrheit der Deutschen nur träumen. Nach Prof. Worm haben 80% der Deutschen im Winterhalbjahr Werte von unter 20 ng/ml, also einen Mangel. Da die USA südlicher liegen als Deutschland, ist die Sonneneinstrahlung dort höher als bei uns. Das ist verbunden mit einer vermehrten Vitamin-D Produktion über die Haut. Ebenso werden Lebensmittel in den USA häufig mit Vitamin D angereichert. Bei der Fischölstudie gibt Prof. Worm zu bedenken, dass der Omega-3 Index der Teilnehmer nicht kontrolliert wurde. Diese Kontrolle ist wichtig, weil bei einer fettarmen Ernährung das Omega-3 nicht in den Zellen der Probanden angekommen ist, die täglich Fischölkapseln einnahmen. Umgekehrt könnten Teilnehmer der Placebo-Gruppe einen hohen Omega-3-Index gehabt haben, wenn sie häufig Fisch gegessen hatten.

Fazit

Also, ich nehme meine tägliche Vitamin D Dosis von 5.000 I.E. von April bis Oktober und 10.000 I.E. von November bis März weiterhin ein. Mein Vitamin D (25-OH) Spiegel laut Blutbild vom 22.01.2019 betrug 65 ng/ml, also von Überdosierung keine Spur. Ich fühle mich mit diesem Wert rundum wohl und leistungsfähig.

Referenzen

[1] J.E. Manson, N.R. Cook, I.M. Lee, W. Christen, S.S. Bassuk, S. Mora, H. Gibson, D. Gordon, T. Copeland, D. D’Agostino, G. Friedenberg, C. Ridge, V. Bubes, E.L. Giovannucci, W.C. Willett, J.E. Buring, V.R. Group, Vitamin D Supplements and Prevention of Cancer and Cardiovascular Disease, N Engl J Med, 380 (2019) 33-44.

[2] C.J. Rosen, Clinical practice. Vitamin D insufficiency, N Engl J Med, 364 (2011) 248-254.

[3] J.E. Manson, N.R. Cook, I.M. Lee, W. Christen, S.S. Bassuk, S. Mora, H. Gibson, C.M. Albert, D. Gordon, T. Copeland, D. D’Agostino, G. Friedenberg, C. Ridge, V. Bubes, E.L. Giovannucci, W.C. Willett, J.E. Buring, V.R. Group, Marine n-3 Fatty Acids and Prevention of Cardiovascular Disease and Cancer, N Engl J Med, 380 (2019) 23-32.

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