9) Eigenzucht von Brokkolisprossen

Selbstgekeimte Brokkolisprossen sind der einfachste Weg um günstig an hohe Konzentrationen des Senfölglykosids Sulforaphan zu kommen. Viele Bevölkerungsstudien und experimentelle Arbeiten weisen auf eine entzündungshemmende und anti-karzinogene Wirkung von Sulforaphan hin [1]. Ich empfehle die Samen einer Urform von Brokkoli zu verwenden, nämlich Brassica rapa sylvestris, auch bekannt als Brokkoletti oder Rapini, weil diese Sorte einen höheren Sulforaphangehalt als kultivierter Brokkoli besitzt. Man bekommt die Samen bei verschiedenen Online-Händlern.

Samen von Brassica Rapa Sylvestris

Wie lange sollen Brokkolisprossen gekeimt werden?

Brokkolisprossen werden am besten zwischen den Keimtagen 2 und 12 verzehrt, da in diesem Zeitraum der Sulforaphangehalt höher als im Samen ist. Untersuchungen zeigen, dass sich der Glukoraphan-Gehalt in diesem Zeitraum nicht verändert. Interessant ist auch die Information, dass das Sprossenwachstum bis Tag 8 mit anschließend gekühlter Aufbewahrung bis Tag 12 den Glukoraphan-Gehalt ebenfalls nicht verändert. Das bedeutet, es sollte ok sein, Brokkolisprossen bis Tag 2 zu keimen und danach die angekeimten Samen im Kühlschrank aufzubewahren und innerhalb einer Woche zu verbrauchen.

Ungekeimte Samen kann man auch essen

Wenn´s schnell gehen muss, kann man auch einfach die ungekeimten Samen verzehren: sie eignen sich gut als Dekoration auf Suppe, in Salat oder aufs Brot. 1 Teelöffel Brokkolettisamen enthalten etwa 20 mg Sulforaphan—der genaue Sulforaphangehalt ist immer abhängig von der Charge und wird von der Firma Topfruits auf der Packung angegeben. 

Wieviel Brokkolisprossen wirken gegen Krebs?

Leider lässt sich diese Fragen nach bisherigem Kenntnissstand nicht beantworten. Mit 20 mg Sulforaphan täglich sollte man jedoch gut dabei sein, obwohl aktuelle Brokkolisprossenstudien bei Krebspatienten bis zu 90 mg täglich verwenden. Dies könnte jedoch zuviel des Guten sein, da Brokkolisprossen wie andere Kohlgemüse auch zu Verdauungsbeschwerden und Blähungen führen können. Dies ist besonders fatal für Patienten mit einem Pankreaskarzinom, weil bestehende Verdauungsprobleme noch verstärkt werden können. Mittlerweile wurden jedoch in vielen Pflanzen Stoffe mit ähnlicher Wirkung wie Sulforaphan gefunden. Beispiele sind Piperidin aus schwarzem Pfeffer, Capsaicin aus Paprika, Quercetin aus Beeren und Nüssen, EGCG aus grünem Tee und andere. Daher sollte der Fokus nicht nur auf Brokkolisprossen, sondern vielmehr auf einer bunten Mischung von Obst und Gemüse mit bioaktiven Pflanzenstoffen liegen.

Vorsicht mit verdorbenen Brokkolisprossen

Wichtig zu wissen ist, dass Brokkolisprossen bei der Keimung leicht verderben können. Nämlich dann, wenn die Keimung unter zu kalten oder nassen Bedingungen durchgeführt wird, oder das Sprossenglas nicht sauber war. Dann können sich Mikroorganismen vermehren. Verdorbene Sprossen riechen verfault und sollten entsorgt und nicht verzehrt werden, da sonst die Gefahr einer Darminfektion besteht.

Hier zu sehen sind 2 Tage alte, verzehrfertige Sprossen, diese können aber auch weiter gekeimt werden, z.B. bis zur Größe der üblichen Kressesprossen. 

Keimung von Brokkolisamen

Drei Esslöffel Brokkolisamen werden in ein Glas gestreut – ein Honig-Imkerglas ist zum Beispiel gut geeignet. Anschließend wird das Glas mit einem Verbandstrumpf oder Nylonstrumpf abgedeckt, der mit einem Haushaltsgummi befestigt wird. Danach wird Wasser durch den Strumpf ins Glas gefüllt, um die Samen über Nacht zu wässern. Am nächsten Morgen wird das Wasser durch den Strumpf abgegossen und das Glas kopfüber in einer kleinen Schüssel ans Fenster gestellt. Danach genügt es morgens und abends kurz zu wässern und das Wasser sofort wieder abzugießen, bis die Samen bis zur gewünschten Größe gewachsen sind.

Referenzen

[1] I. Herr, M.W. Büchler, Glukosinolate der Kreuzblütlerfamilie in Prävention und Therapie maligner Tumore, Deutsche Zeitschrift für Onkologie, 41 (2009) 109-114.

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