4) Sonnenlicht gegen Osteoporose, Demenz und Krebs

Die Mehrheit der Deutschen leidet unter einem Vitamin-D-Mangel und die Wenigsten sind sich des hohen gesundheitlichen Wert des Sonnenlichts nicht bewusst. Eine Studie des Robert-Koch-Instituts von 2008 mit mehr als 14.000 Probanden hat ergeben, dass 62% der Jungen, 64% der Mädchen, 57% der Männer und 58% der Frauen einen Vitamin D Mangel unter 20 ng/mL aufwiesen.Die biologisch aktive Form ist das Calcitriol, auch bekannt als 1,25-Hydroxy-Vitamin D. Dieses ist wichtig für den Calcium-Stoffwechsel, den Knochenaufbau und die Muskelstärke. Ein Vitamin D-Mangel ist seit langem als Risikofaktor für Rachitis und Osteoporose bekannt.In jüngster Zeit zeigen sich auch Zusammenhänge zwischen einem Vitamin D Mangel und einem höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herzinfarkt, Diabetes, entzündliche Lungenerkrankungen wie Asthma und COPD, Autoimmunerkrankungen, Multiple Sklerose, Rheuma, Depression, Demenz, Parkinson und Krebs.3 Von epidemiologischen Studien weiß man, dass Personen mit einem höheren Vitamin D Spiegel weniger an bestimmten Krebsarten erkranken und bei einem optimalen Vitamin D Spiegel länger leben, wenn sie bereits an Krebs erkrankt sind. Gezeigt wurde dies mit hoher Signifikanz für Darm-, Brust, Prostata- und Bauchspeicheldrüsenkrebs und viele weitere Krebsarten.2, 4, 5

Das Sonnenvitamin D wird zu 90% über Sonneneinstrahlung auf die Haut gebildet. Für einen optimalen Vitamin D Spiegel wird ein täglicher Aufenthalt im Freien von mindestens 30 min empfohlen, wobei möglichst viel freie Haut gezeigt werden sollte. Im Winter, wenn oftmals nur das Gesicht frei ist, kann ein Make up die letzten Sonnenstrahlen abblocken. Ideale Blut-Vitaminwerte liegen bei 30-90 ng/ml 25-(OH)-Vitamin-D. Sonnenbrand sollte wegen der Gefahr von Hautkrebs allerdings vermieden werden.

Weitere Studien lassen vermuten, dass ein Vitamin D-Mangel typische Alters-assoziierte Krankheiten verstärkt, darunter chronische Entzündung, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Demenz und Depressionen und damit die Gesamtsterblichkeit erhöht.2, 6 Der Großteil des Vitamin D wird über Sonneneinstrahlung auf die Haut gebildet. Doch den Menschen fehlt zunehmend das Sonnenlicht, weil sich der moderne Mensch zunehmend in Innenräumen aufhält, das Auto nutzt wird, statt zu Fuß zu gehen oder Fahrrad zu fahren, stundenlang vor dem Computer oder Fernseher sitzt, im Fitnessstudio statt im Freien Sport betreibt, oder im Altersheim dahindämmert. Mehrere Studien haben festgestellt, dass die Mehrheit der Altenheimbewohner einen erheblichen Vitamin D-Mangel hat.Eine Studie mit 1578 Patienten einer deutschen Geriatrischen Rehabilitationsklinik in Trier ergab beispielsweise, dass 67% der Patienten einen schweren (<10 ng/mL) und 89% einen Vitamin D Mangel (<20 ng/mL) hatten, während 96% einen ungenügenden Vitamin D Spiegel (<30 ng/mL) hatten. Nur 4% aller Messwerte lagen im Normbereich, kein einziger Wert lag im toxischen Bereich.7

Mangel an Sonnenlicht

In modernen Bauten lassen sich oftmals die Fenster nicht mehr öffnen und damit fällt die Möglichkeit am offenen Fenster Sonne zu tanken weg. Dies mag Energiekosten sparen, ist aber schlecht für die Vitamin D Versorgung. Gewöhnliches Fensterglas, Sonnenbrillen oder Sonnencremes absorbieren weitestgehend UVB-Strahlung (315-280 nm) und gerade diese wird für den Vitamin D Aufbau gebraucht. Doch die langwellige und schädliche UVA-Lichstrahlung (380-315 nm) wird durchgelassen. Auch Solarien bräunen vor allem mit UVA-Strahlen. Selbst bei häufigem Aufenthalt in natürlichem Sonnenlicht wird Vitamin D in unseren Breitengraden nur ausreichend gebildet, wenn die Sonne hoch steht.9 Dies ist im Sommer, von April bis September um die Mittagszeit der Fall. Von Oktober bis März steht die Sonne tief und es kann nur wenig Vitamin D gebildet werden. In dieser Zeit muss der Körper von seinen Vitamin D Speichern zehren, die über den Sommer angelegt wurden. Am besten füllen sich die Speicher durch tägliche Aufenthalte in der Sonne mit freien Händen, Oberarmen und freier Gesichtshaut, die kein Make-Up oder Sonnenschutzcreme verdeckt. Ganzkörpersonnenbäder sind am effektivsten. Je länger der Winter dauert, desto mehr schwinden die Vitamin D Vorräte und mit ihnen die Widerstandskräfte. Man geht davon aus, dass ein Vitamin D Mangel die häufigen Grippewellen im Februar und März begünstigt. Eine Möglichkeit Sonne und Vitamin D auch im Winter zu tanken bieten UVB-Lampen (z.B.  die  Osram Ultravitalux oder Winterurlaube im Süden und Hochgebirge.

Klassifikation der 25-Hydroxyvitamin D-Werte nach Goodwin, 2009
Sonnenbäder im Hochgebirge oder im Süden füllen die aufgebrauchten Vitamin D Vorräte im Winter wieder auf.  Photoquelle: privat.

Hilfreich kann auch eine prophylaktische Einnahme von Vitamin D Präparaten in einer täglichen Dosierung von mindestens 2000 bis 5000 IE sein. Geeignete Präparate gibt es zahlreiche, in Kapsel- und Tropfenform. Nach Prof. Jörg Spitz, einem international anerkanntem Vitamin D Experten und Präsident der Gesellschaft für biologische Krebsabwehr, ist eine tägliche Vitamin Dosis wichtig. Er empfiehlt die tägliche Vitamin D Supplementation und nicht nur einmal wöchentlich mit 20.000 IE, wozu häufig noch geraten wird. Aber der Körper scheint eine tägliche und konstante Vitamin D Dosis zu benötigen und nicht nur einmal pro Woche hochdosiert.

Wissenschaftler diskutieren jedoch kontrovers über Sinn und Unsinn einer Vitamin D Substitution bei gesunden Menschen und warnen teilweise vor den schädlichen Folgen einer Überdosierung – obwohl die Schäden durch Unterdosierung viel weitverbreiteter sind. Auf der sicheren Seite ist man mit der natürlichen Methode, nämlich in der warmen Jahreszeit wohldosiert Sonne zu tanken, um ein ausreichendes Vitamin-D Depot auch für den Winter zu haben. Vitamin D-reiche Nahrungsmittel wie fetter Fisch, z.B. Aal, Forelle, Lachs, Hering und Lebertran, Eier, Butter, Avokados und Wildkräuter können hinsichtlich der Vitamin D Versorgung nicht mit der Sonne konkurrieren. Wenn Du wissen möchten, wie hoch Dein Vitamin D Spiegel ist, kannst Du diese per kostenlosem Online Frage-Test schätzen – dieser Test spiegelt erstaunlich gut die Ergebnisse eines Bluttests wider. Einen Bluttest nimmt der Hausarzt vor, er kostet etwa 40 € und die Privatkasse übernimmt normalerweise die Kosten. Darüberhinaus gibt es Bluttests für zuhause, welche in der Apotheke oder online angeboten werden.

Referenzen

1.         Hintzpeter B, Mensink GB, Thierfelder W, Müller MJ, Scheidt-Nave C. Vitamin d status and health correlates among German adults. Eur J Clin Nutr 2008;9:1079-1089.

2.         Feldman D, Krishnan AV, Swami S, Giovannucci E, Feldman BJ. The role of vitamin D in reducing cancer risk and progression. Nat Rev Cancer 2014;14:342-57.

3.         Grober U, Spitz J, Reichrath J, Kisters K, Holick MF. Vitamin D: Update 2013: From rickets prophylaxis to general preventive healthcare. Dermatoendocrinol 2013;5:331-47.

4.         Wolpin BM, Ng K, Bao Y, Kraft P, Stampfer MJ, Michaud DS, Ma J, Buring JE, Sesso HD, Lee IM, Rifai N, Cochrane BB, Wactawski-Wende J, Chlebowski RT, Willett WC, Manson JE, Giovannucci EL, Fuchs CS. Plasma 25-hydroxyvitamin D and risk of pancreatic cancer. Cancer Epidemiol Biomarkers Prev 2012;21:82-91.

5.         Moukayed M, Grant WB. Molecular link between vitamin D and cancer prevention. Nutrients 2013;5:3993-4021.

6.         Schottker B, Haug U, Schomburg L, Kohrle J, Perna L, Muller H, Holleczek B, Brenner H. Strong associations of 25-hydroxyvitamin D concentrations with all-cause, cardiovascular, cancer, and respiratory disease mortality in a large cohort study. Am J Clin Nutr 2013;97:782-93.

7.         Schilling S. Epidemischer Vitamin-D-Mangel bei Patienten einer geriatrischen Rehabilitationsklinik. Deutsches Ärzteblatt 2012;109:33-38.

8.         Goodwin PJ. Vitamin D in cancer patients: above all, do no harm. J Clin Oncol 2009;27:2117-9.

9.         Spitz J, Grant WB. Vitamin D – Das Sonnenhormon: Mankau Verlag GmbH, 2014.

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